«Zarah – Wilde Jahre»: Eva Zahn und Volker A. Zahn über ihre Serie

Ein Stück deutscher Emanzipationsgeschichte im Genre einer Journalistenserie, angesiedelt in den frühen 1970er Jahren: «Zarah – Wilde Jahre» heißt die sechsteilige Serie, die Eva Zahn und Volker A. Zahn für das ZDF entwickelt haben und ab 7. September ausgestrahlt wird.

Die Story: 1973. Zarah Wolf bekommt das Angebot des renommierten Verlegers Frederick Olsen, Mitglied der Redaktion seines auflagenstarken Magazins «Relevant» zu werden. Die engagierte Journalistin sieht ihre Gelegenheit gekommen, das Thema «Emanzipation» mit aller Macht journalistisch voranzutreiben. Es geht ihr um Themen wie Sexismus, Abtreibung oder häusliche Gewalt. Doch schnell muss sie erkennen, dass der Widerstand der Männerkaste – von alltäglichen Macho-Allüren über blanke Ignoranz bis konsequenter Besitzstandswahrung – unüberwindlich scheint. Um sich gegen Verleger Olsen, Chefredakteur Kerckow, Politikchef Schaffelgerber, Kulturredakteur Hartwig oder Chefgrafiker Balkow durchzusetzen, lässt sich Zarah auf einen Machtkampf um die Führung der Redaktion ein. Dass Verlegertochter Jenny sich in sie verliebt, macht die Sache nur noch komplizierter.

Die Autoren über ihre Serie:


Sie waren bunt, sexy, wild und beseelt von dem Glauben an eine andere, gerechtere Welt. Aber im fiktionalen deutschen Fernsehen fanden sie bislang kaum statt: die Siebziger! Den braunen Muff endgültig ausmisten, mehr Demokratie wagen, Frauen an die Macht, 'runter mit dem Männlichkeitswahn! Wir dachten damals wirklich, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alles besser wird. Der Soundtrack unserer Hoffnungen war funky. Die Filme, die un-sere Sehnsüchte bebilderten, waren rotzig und frech, und in Wohnungen und Klamottenläden explodierten die Farben. Die großen Reformen im Abtreibungs-, Familien- und Scheidungsrecht, Frauen durften endlich ohne Einwilligung ihrer Ehemänner arbeiten, die Fristenregelung, eine neue Bildungspolitik, die für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen sollte, Volljährigkeit mit 18, die Einführung zentraler Notrufnummern… der Fortschritt fand auf allen gesellschaftlichen Ebenen statt, und notorische Nostalgiker schwärmen: «Früher war alles besser!»

Aber dass früher nicht alles besser, sondern vieles anders war, und dass wir ein halbes Jahrhundert später noch immer für das kämpfen, was uns in den Siebzigern zum Greifen nahe schien, macht dieses Jahrzehnt für uns als Erzähler so reizvoll. Der Abwehrkampf der Alpha-Männer gegen Frauen in Führungspositionen, Sexismus in den Medien, häusliche Gewalt, ungleiche Bezahlung, der ganz alltägliche Chauvinismus – das sind Themen, die in den 70ern auf die Agenda kamen und 2017 nichts von ihrer Brisanz verloren haben. Wir wollen mit «Zarah» eben keine musealen Sehnsüchte bedienen, die Serie ist keine History-Show. Wir erzählen Geschichten aus einer anderen Zeit, die noch immer Aktualität besitzen, mit Figuren, die heutig sind.

Exotisch mutet indes der Journalismus dieser Jahre an: Die «vierte Macht» im Staate, selbstbewusst bis zur Selbstüberschätzung, irgendwo zwischen Heldentum und Größenwahn taumelnd, überzeugte Wahrheitssucher und leidenschaftliche Rechercheure, noch nicht bedrängt von Kostendrückern im eigenen Haus oder rufgeschädigt von den Blog-Warten und Fake News-Pöbelanten aus der digitalen Welt. Journalist gehörte in den Siebzigern in die Kategorie «Traumberuf». Ein Traumberuf, der den meisten Frauen indes verschlossen blieb. Erst eine neue, mutige Generation von Redakteurinnen und Autorinnen wagte sich in das Minenfeld des Presse-Machismo, Frauen wie Ingrid Kolb, Peggy Parnass, Alice Schwarzer oder Wibke Bruns. Frauen, die – ähnlich wie unsere weiblichen Figuren in «Zarah» – ihre ganz speziellen Strategien entwickeln mussten, um sich unter all den «dicken Eiern» Respekt zu verschaffen.

Zeitlos wie der Geschlechterkampf sind auch die großen persönlichen Themen, die in «Zarah» verhandelt werden: Liebe, Familie, Tod, Schuld und Verrat. Es ist für uns Autoren ein großes Privileg, Figuren auf einer Strecke von sechs (und hoffentlich noch viel mehr) Folgen entwickeln zu dürfen, zu zeigen, wie sie ihr Leben auf die Reihe kriegen oder in den Sand setzen, wie sich ihre kleinen und großen Geheimnisse langsam entblättern, wie sie gegen innere und äußere Dämonen kämpfen, wie sie lieben, streiten, scheitern, intrigieren, saufen und vögeln!

Keine unserer Figuren hat ein reales Vorbild, aber wir haben uns natürlich schamlos in der Wirklichkeit bedient. Nicht dokumentarisch, sondern wahrhaftig erzählen, ist unser Anspruch, und dass unsere Serie die Zuschauer unterhält, berührt, mitfiebern, mitlachen und mitleiden lässt und sie entführt in eine Welt, die so nah ist, obwohl sie Galaxien entfernt zu sein scheint.

Claudia Eisinger spielt Zarah, in weiteren Hautrollen wirken mit Torben Liebrecht, Uwe Preuss, Svenja Jung, Ole Puppe, Theresa Underberg, Milena Dreißig, Jörn Hentschel, Imogen Kogge u. a. Regie führte Richard Huber, gedreht wurde in Hamburg (in einem leerstehenden Bürogebäude, nicht im Studio). «Zarah – Wilde Jahre» ist eine Produktion von Bantry Bay Köln; Produzenten sind Jan Kromschröder und Eva Holtmann.

Fotos: © ZDF / Jules Esick