«Auf Null» von Catharina Junk

Es ist ihr erster Roman: «Auf Null» von Catharina Junk. Das Buch kam auf Empfehlung von David Safier zum Verlag. «Catharina Junks Story geht ans Herz und ist trotzdem richtig komisch», schreibt er. Diesem Urteil schließen wir uns an.

Mit zwanzig Jahren zieht Nina eine fette Niete in der biochemischen Lotterie: Leukämie. Es folgen zwölf Monate Krankenhaus, in denen der Tod immer wieder ganz nah und das Leben draußen weit weg ist. Nun hat Nina es geschafft. Angeblich ist sie wieder gesund. Aber da ist immer diese Angst: Was, wenn die Krankheit wiederkommt? Und überhaupt: Wie soll sie das alles ohne Bahar schaffen, ihre starke beste Freundin, mit der sie sich im Krankenhaus zerstritten hat? Nach der Entlassung endet Ninas erster Versuch, ein normales Leben zu führen, in einem Desaster. Erst eine schreckliche Party, dann spätnachts eine Autopanne in der Walachei. Unverhofft lernt sie auf diesem Weg Erik kennen, der seinem Vater in der Werkstatt aushilft. Sofort ist da eine Nähe, die so etwas wie Glück verspricht. Doch für Glück braucht man Vertrauen, und genau das hat der Krebs Nina genommen. Und deswegen macht sie erst einmal alles kaputt, bevor es überhaupt anfangen kann. Bis sie erkennt, dass sie kämpfen muss. Um Erik. Um Bahar. Und um ihr Leben.

Catharina Junk war Redakteurin für Radio Bremen und den NDR, bevor sie 2008 freie Autorin wurde. Zu ihren Credits als Drehbuchautorin gehört u.a. die – auch international erfolgreiche – Kika-Thrillerserie «Allein gegen die Zeit» (nominiert für den Deutschen Fernsehpreis, den Prix Jeunesse, den International Emmy ) und diverse Folgen für «Großstadtrevier» und «Die Pfefferkörner». Letztes Jahr kam «Die dunkle Seite des Mondes» nach Martin Suter ins Kino, im nächsten Jahr wird es der 3-D-Animationsfilm «Happy Family» nach dem Roman von David Safier sein. Für ihr Debütroman «Auf Null» wurde sie, als das Buch noch im Entstehen begriffen war, mit dem Literaturförderpreis der Stadt Hamburg ausgezeichnet.


Aus einem Gespräch mit Catharina Junk:

Was hat die in «Auf Null» erzählte Geschichte mit Ihrem eigenen Leben zu tun?

Wie meine Hauptfigur Nina bin auch ich kurz nach Beginn meines Studiums in Münster an Akuter Myeloischer Leukämie erkrankt, und diese Erfahrungen bilden die Grundlage für den Roman. Weitere autobiographische Bezüge sind, dass ich ebenfalls in Niedersachsen aufgewachsen bin, einen jüngeren Bruder habe und, wie Nina, Sonnenblumen nicht ausstehen kann, weil in meinem Krankenhauszimmer ebenfalls van Gogh hing. Das war es dann aber auch schon. Die in «Auf Null» erzählte Geschichte ist frei erfunden, und keine der auftretenden Figuren habe ich im wirklichen Leben jemals getroffen. Eigentlich schade, wenn ich so darüber nachdenke.

Viele Romane, die eine plötzliche Erkrankung thematisieren, handeln von der Zeit vor und während der Krankheit. «Auf Null» beginnt mit dem Tag nach der «Gesund»-Diagnose, rückt also die Ängste und Mühen in den Fokus, ins Leben zurückzufinden. Stand diese Zeitperspektive von Anfang an fest, oder hat sie sich erst während des Schreibens ergeben?

Ja, mich hat immer die Zeit «danach» interessiert. Weil die tiefe Verunsicherung nach einer Krebserkrankung einen sehr, sehr lange begleitet und man jederzeit die nächste Erschütterung fürchtet. Die Angst vor einem Rückfall wird zu einem ständigen Rauschen, das über allem liegt. Gleichzeitig denkt man: Jetzt sei doch endlich mal froh, du lebst doch noch! Bei mir hat es zehn Jahre gedauert, bis ich wieder einigermaßen klargekommen bin, und auch heute, nach über zwanzig Jahren, werde ich nervös, wenn bei einer Erkältung die Lymphknoten anschwellen. Andere Betroffene erleben das auch so oder ähnlich, und deswegen erschien es mir erzählenswert.

Ihre Protagonistin Nina lernt Schritt für Schritt, sich wieder selbst zu vertrauen - ein schmerzhafter Lernprozess voller Ängste. Gibt es diesen einen Moment, wo innerlich ein Schalter umgelegt wird und man weiß: Ich schaffe das?

Nein, meiner Ansicht nach gibt es den nicht. Und Nina macht ja genau den Fehler, auf diesen einen magischen Moment zu warten. Bis dahin versucht sie, zweckpessimistisch ihrem Glück aus dem Weg zu gehen. Sie hofft, so den Abschiedsschmerz vom Leben und den Menschen, die sie liebt, klein halten zu können, falls die Leukämie doch wiederkommt und sie wohl möglich stirbt. Gleichzeitig hat Nina aber eine so große Sehnsucht nach Glück, Liebe und Unbeschwertheit, dass es für sie immer schwieriger wird, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Am Ende ist ihr Bedürfnis, wieder mutig und offenen Herzens zu sein, zunehmend stärker als ihre Angst ...
«Auf Null» von Catharina Junk

Zum Autor